Ground Zero

   

Auf mein fenster

in den zwillingstürmen

des neuen jahrtausends

rasen jets

mit banknotentragflächen

zu

 

sinnlos sehend

hauche ich

feuchten atem

gegen die scheibe

 

meinem welten komponierenden hirn

vergeht die vernetzung

mit netten noten

 

rettungsfallschirme

aus kampfanzugstoff

verdecken jede sicht

 

kein fahrstuhl führt

weg von fernsehkalten tagen

in den heizungskeller

 

vielleicht

bleiben

abdrücke meiner flüchtenden füße

im erstarrten brei

des treppenhauses

 

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Published in: on 4. April 2010 at 06:56  Schreibe einen Kommentar  
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Exil im eigenen Land

   

Zu hause einst

trat ich

für meinen

traumvogel

in die pedale

 

schob ich

bergauf

ahnte ich

höher gelegene

mühen der ebene

 

heute

ersticke ich

in sonderangeboten

flüge

in traumvogelländle

dabei zu erwerben

glasperlen

 

im kühlenden keller

wische ich

vom sattel

staub

mit meiner feder

 

Published in: on 3. April 2010 at 10:58  Schreibe einen Kommentar  
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schluss

  

vergeblich
die grim(m)assen
letzte tränen waschen
schützende schminke
aus gegerbtem gesicht
tropfen
in züngelnde flammen

farben
des grillfeuers
verweigern sich
schmeichelndem reim

auf der kannibalenfeier
schlucken hungrige

noch
ihren speichel

bald werde ich
gar sein

Published in: on 1. April 2010 at 12:03  Schreibe einen Kommentar  
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Im verwehen

  

verspielter wind
trägt asche aus
meiner zerbrochenen urne
ins vorgestern

fremde gewalten
verteilen verbranntes
über gabelungen
meines weges
in arktische kälte

vielleicht
wäre für mich
der verwilderte pfad
daneben
besser gewesen

Published in: on 29. März 2010 at 07:09  Schreibe einen Kommentar  
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Hütchenspiel

   

Ich spiele und spiele;

Im Flutlicht des Ruhestroms

Ich spiele und spiele.

 

Ich wusste um Lockvögel.

Ich sah sie gewinnen.

Ich setzte Entbehrliches und

keine deiner Bewegungen

könnte meinen Augen entgehen,

dachte ich.

 

Ich spielte und spielte

Im Glanze des Sonnenlichts

Ich spielte und spielte.

 

Ich setzte Stück um Stück

mein ganzes Vermögen.

Wohin sollte ich sehen:

Auf deine flinken Finger oder

auf dein Lächeln im Gesicht.

Ich war dir verfallen.

 

Ich spielte und spielte

Im Rieseln des Regentags

Ich spielte und spielte.

 

Nach jeder Niederlage

schenktest du mir neues Lächeln.

Ich setzte Hemd und Schuhe

ich setzte den Slip gegen alles,

was du schon genommen.

Welch Lächeln begrüßte meine Blöße.

Vorbeieilende bedeckten mich mit

Mitleidsblicken.

 

Ich spielte und spielte

Im Trocknen des Gegenwinds

Ich spielte und spielte.

 

Erst hast du meine Schuldscheine akzeptiert,

dann schriebst du sie mir vor.

Ich hielt sie unbesehen
vor meine geschrumpfte Scham

und verlor sie an dich.

 

Ich spielte und spielte

Im Blendlicht des Sonnentags

Ich spielte und spielte.

 

Lass mich Lockvogel sein,

Geliebte,

die du mich nicht liebst.

Einmal durchschaue ich deinen letzten Trick

und mit allem, was je ich gesetzt,

stehe ich auf.

Dann wirst du mich bitten:

Bleib!

Ich werde dich duzen dürfen,

doch dann bist du dran

mit Ausziehen, meine

Lachesis …

 

Ich spiele und spiele

Im Flutlicht des Ruhestroms

Ich spiele und spiele.

 

Published in: on 28. März 2010 at 10:13  Schreibe einen Kommentar  
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leere

   

ruhelos
durchsuche ich die räume
warte auf wiederkehr
des schmerzes

nicht liebe verbindet mich
mit ihm
dem letzten
der nicht von mir wich
dem ich vertraut

nun hat auch er
mich verlassen
und rauhfasern
verlacht mich
die tapete

Published in: on 2. Januar 2010 at 06:54  Schreibe einen Kommentar  
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Dem Mahnenden

   

Frisch gehäutet

erwarte ich dich

am apfelbaum

 

mein rucksack

noch

gestopft mit verletzungen

die ich

blind sehend angerichte

nicht alle fehler

die mir zu schwer geworden

lassen sich leicht

abwerfen

 

ich schlüpfe im weiterwandern

in neue namen

hinauf zur quelle am gipfel

finde sie

oder mich

oder beides

oder nichts davon

 

 

Published in: on 2. Januar 2010 at 06:53  Schreibe einen Kommentar  
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Ansprüche

   

Bald fliege ich

nach meinem tag

zum komposthaufen der zeit

einige worte

werden die würmer

überleben

 

wäre gern sandkorn

in der götterwüste

mit pyramiden

ohne pharaonen

 

will das kind sein

das ruft

der könig ist nackt

 

die sanduhr

dreht sich

ohne meine hände

 

Published in: on 2. Januar 2010 at 06:51  Schreibe einen Kommentar  
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Kein Sterben

   

Nicht schleimspur sein

auf dem asphalt

nicht im fleck enden

kaum mehr ahnbar

vom truck der zeit

überrollt

 

will mit allen sehnen sehnen

mit allen sinnen sinnen

selbst

mit matten muskeln noch

bewegen was mir zu schwer

 

früh genug kommt

das knacken der knochen

Published in: on 2. Januar 2010 at 06:49  Schreibe einen Kommentar  
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Kein Steppenwolf

   

Manchmal steige ich

aus mir heraus

und mustere

die kriegsfernen kohorten

die meine hülle vereint

 

mit der also

setzt du mich gleich

mit dem bruder

mit der schwester

mit dem kind

mit dem unreifen greis

dem fremden

 

meist tritt

einer von denen

dir als erstes entgegen

selten ich

 

auf meiner stirn

ein zettel zur entschuldigung

 

gerade bin ich

einer der anderen

dein mein Ich

kommt später

 

du liest

auch nur

ein verirrter Wolf

ohne seine Steppe

 

ich heule

kurz auf

mein rudel

heult zurück

dann steige ich wieder hinein

in mich

Published in: on 2. Januar 2010 at 06:47  Schreibe einen Kommentar  
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