Mückarus

   

Ich wäre gern im regenwald und auch am Gelben Fluss,

am Rio Grande Nord und Süd bevor es heißt ´s ist schluss

ich breitete die schwingen aus und flöge einfach los

wenn ich denn will dann ist für mich kein ziel der welt zu groß

warum nur sagst du zügle dich! ich sei doch nur ein mück

komm einfach mit versuch es doch ein klitzekleines stück

hier lockt mich nicht der schweißgeruch nicht altbekanntes blut

solch leben gibt’s auch anderswo und mindestens so gut

was bist du für ein Dädalus der klebt an dem was geht

ich ahne unsern Winter schon dann sind wir zwei verweht

denkst du dass ich im meer ertränk hoch oben wohl erfrör

denkst du dass ich im fernewahn die richtung gleich verlör?

bald komm ich an in Schönefeld mit technik groß und breit

die hebt mich hoch vom boden ab zur erde andern seit´

tief unten stört kein ozean im flugzeug als versteck

ich breite meine flügel aus und sirre einfach weg

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Published in: on 26. März 2010 at 07:15  Schreibe einen Kommentar  
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Der Kanarienvogel

   

Der kunde ists für den er singt

am kunstbaum auf und nieder springt

zumindest aus des händlers warte

in dessen lebendviehzeugsparte

der vogel wollt mit seinen weisen

als männlich sich den weibchen preisen

viel leiser wird’s als umgewandelt

er in den preis der ausgehandelt

der letzte große ausverkauf

beendet dieses ladens lauf

dem händler reicht nun – piep sei dank –

das geld zur disc voll vogelsang

Published in: on 25. März 2010 at 07:17  Comments (1)  
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unter fröschen

 

so grau war der frosch
und um ihn herum
strahlten nur schöne grüne
und er suchte morast
als versteck für sich
und als sängers verborgene bühne
so blind war die fröschin
und er sang so schön

quak
und die mücken sie tanzten
und zu end war der tag
als sie rief

oh ich seh ungelogen

wahre farben und deshalb liebe ich dich
du gleichst einem regenbogen
der mich wie ich hoff auch morgen begrüßt

also hat er ihr mücken
in schmackhaften stücken
auf die zärtliche zunge geküsst

als dann kaulquappen schwammen

so viel leben vom laich
da war es so weit zu sehen
es gab nicht nur grüne frösche am teich
das ist doch wohl leicht zu verstehen

 

 

Published in: on 24. März 2010 at 20:09  Schreibe einen Kommentar  
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Ein Hundeschicksal

   

Besorgt um Woll den hütehund

fragt sich Susann ist der gesund

er tobt nicht auf dem abendgang –

ja ohne zweifel ist er krank

ihn überfiel als böser schuft

der dreck aus der verschmutzten luft

das arme tier konnt sich nicht wehren

Susanne muss es bald entbehren

die mama nimmt es sanft ihr weg

spricht traurig es hat keinen zweck

erklärt Susanne ungefähr

die schmerzen löst der vet´rinär

Susanne, bleibe draußen sitzen

du magst doch selber keine spritzen

der arzt erkennt dann einwandfrei

dass Woll wohl eine Wolla sei

und bald gäb´s eine schöne stunde

voll vieler kleiner hütehunde

und was beweist uns dieser fall:

die umwelt ists zwar überall

ja meistens wird’s verschmutzung sein

und doch nicht immer … nicht allein

Published in: on 23. März 2010 at 09:42  Schreibe einen Kommentar  
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Harro

 

Das fressen im napf ist geschmacksverstärkt

mit E fünfhundertnochwas – ich hab ´s nicht gemerkt –

soll angeblich lecker wie rehkeule sein

viel lieber jagt´ ich dem reh hinterdrein

 

und kommen mal wirklich ganz leckere leute

die von weitem schon riechen wie fetteste beute

dann würgt mich die kette und das maul ist verbunden –

denn mein herrchen das hat seine kumpels gefunden

Published in: on 15. März 2010 at 07:24  Schreibe einen Kommentar  
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naturphilosophie

   

ach wär ich nur ein rammelbock
im wald auf weitem feld
selbst wo die stadtbahn kreuzt und rast
wär mir ne gute welt

mein leben hätte seinen sinn
sobald die zippe kommt
und zeigt was ich zu machen hab
bediente ich sie promt

ich teilte meine tage nicht
in gut und schlechte ein
und wär ein fuchs für mich zu schlau
dann hatt´s halt sollen sein

ich visionierte nicht herum
was aus der erde wird
hätt nicht nach meinem wert gefragt
und nicht dabei geirrt

willst wirklich du mich rammelbock
allein auf weitem feld
dort wo die stadtbahn kreuzt und rast  
ist´s schlecht um mich bestellt

Published in: on 14. März 2010 at 07:26  Schreibe einen Kommentar  
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der bär

  

immer wieder
wenn der winter
ihm den speck genommen
kommt er
aus seiner höhle
leckt vom versteckten honig
und schaut
nach den menschen 

 

enttäuscht merkt er
sie sind noch immer
keine bärinnen

 
so frist er sich
neuen speck an
für die heimische hö
hle

er hat zeit

Published in: on 13. März 2010 at 07:28  Schreibe einen Kommentar  
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Des Spatzen Hofballett

   

Es kann wer Deutschland sucht den Zwinger nicht umgehen

dies sammelwerk des protzens muss schließlich jeder sehen

lebendiger beweis des nutzens toter fürsten

wir waren nicht französisch sie grausam wegzubürsten

die menschen die dereinst in 1000 Jahren leben

erfreut bestimmt die kunst die´s früher schon gegeben

wie füllt es sie mit stolz was ihre art geschaffen

auf jenem langen weg vom ursprung weg dem affen

 

mit solchem hohen sinn hatt ich grad platz genommen

und auch der tänzer schar war auf den hof gekommen

programmgemäß wurd´ dort ballett zur schau gestellt

voll hoffnung auf genuss und außerdem mein geld

der liebe musterstück sollt´ grad gegeben werden

mit Shakespeare leidenschaft auf balkonierten erden

es spielte bei dem tanz das paar die rolle wohl

doch wurd´ es übertrumpft durch ein naturidol

es war in diesem fall ein spatz und nicht die lerche

der voller inbrunst uns (als wär die bühn´ ne kärche)

beschimpft mit viel getschilpe und plusterndem gehabe

das trug der ehrfurcht rest vor großer kunst zu grabe

anstatt auf jeden sprung den schwitzend´ tänzer boten

zu achten und den plot auf tiefe auszuloten

verführte uns das tier so grau und unscheinbar

zum klatschen an der Stell´ und rufen „Wunderbar!“

 

alleine dieses bild grub ein sich als spur:

hier sprach zu uns Rousseau „Zurück zur Natur.“

wir alle haben zwar die rührung sehr genossen

die tränen aber sind vor lachen uns geflossen

Published in: on 12. März 2010 at 07:31  Schreibe einen Kommentar  
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Vom königsfloh

   

es nahm einst im berliner zoo
im löwenschopfe platz ein floh
er strotzte regelrecht vor mut
und gierte nach des löwen blut

er schaffte wie mans kaum gedacht
nen flohstich dort von voller pracht
oh wie er badete der gute
in könig leuens frischem blute

es ist ihm sehr zu kopf gestiegen
wer kann schon könige besiegen
der floh sprang hoch zu den giraffen
dann in den zwinger voller affen

ihr braucht euch alle nicht genieren
ich bin der könig von euch tieren
sprach er wie man sich denken kann
am hals von einem rhesusmann

den es gejuckt bereits sehr lange
die krallen greifen wie ne zange
den floh der nun geknackt als laus
zwar spritzt noch löwenblut heraus
jedoch der königstraum ist aus

 

 

Published in: on 9. März 2010 at 07:33  Schreibe einen Kommentar  
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am teich

   

wer weiß 
wie ich als kaulquappe war
irgendwo im klaren
 

halt mich 
sag nie mehr 
sei doch kein frosch
 

wie trocken
allen lungenbläschen zum trotz
ist die luft 

lass mich
zum wartenden wasser und
lausche dem konzert

Published in: on 7. März 2010 at 08:37  Schreibe einen Kommentar  
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