Ground Zero

   

Auf mein fenster

in den zwillingstürmen

des neuen jahrtausends

rasen jets

mit banknotentragflächen

zu

 

sinnlos sehend

hauche ich

feuchten atem

gegen die scheibe

 

meinem welten komponierenden hirn

vergeht die vernetzung

mit netten noten

 

rettungsfallschirme

aus kampfanzugstoff

verdecken jede sicht

 

kein fahrstuhl führt

weg von fernsehkalten tagen

in den heizungskeller

 

vielleicht

bleiben

abdrücke meiner flüchtenden füße

im erstarrten brei

des treppenhauses

 

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Published in: on 4. April 2010 at 06:56  Schreibe einen Kommentar  
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schluss

  

vergeblich
die grim(m)assen
letzte tränen waschen
schützende schminke
aus gegerbtem gesicht
tropfen
in züngelnde flammen

farben
des grillfeuers
verweigern sich
schmeichelndem reim

auf der kannibalenfeier
schlucken hungrige

noch
ihren speichel

bald werde ich
gar sein

Published in: on 1. April 2010 at 12:03  Schreibe einen Kommentar  
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Revoluzzertraum

   

Auf dem nachtschrank

rasselt der bankerkopf

aufstehen!

bevor ich ihn stillklopfe

 

hinter der fensterscheibe

tanzt ein mercedesstern

mit nichtsistunmöglich

brüder zur sonne zur

s-bahn

 

im kleiderschrank

gähnen gene

von boss und basf

hungrigen milben der zeit entgegen

 

auf dem frühstücksteller

ertrinken letzte

alles-meins-flakes

in milch

Published in: on 7. Februar 2010 at 09:23  Schreibe einen Kommentar  
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im gang

   

Die überweisung mit stempel

kann ich nicht lesen

beim wegrennen

bräche mir

verstand und

arm und

bein

ich lasse mein handy

um hilfe klingeln

ringsum antworten

defekte herzschrittmacher

die nachtschwester ersetzt

lungenflügel

durch frisch entfernte

blinddärme

der chefarzt spritzt

in die praktikantin

auf einer bahre

werde ich

weitergeschoben

mir

soll

die zukunft gehören

Published in: on 6. Februar 2010 at 07:20  Schreibe einen Kommentar  
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wunderbares land

   

neben den mülltonnen
der fremde
streichelt den tag
den ihn vergreisenden
auf seiner violine
ein räudiger hund
jault ohne ton
vom wolf sein
ein freund zählt
geld im hut
abendrot dampft
aus der krempe

pack das orchester
aufs feld
wo die frische saat
erst ergrünt
babajaga gewährt
den wunsch
nach einem kleinen mädchen
auf dem schoß
weiter papa
bitte lösch nicht
das hexenfeuer
nichts auf der erde
als wasser und musik
im baumhaus gespielt
zweta zwinkert zurück
luftschifftraum

zugluft flötet
auf traumlos leerer

flasche

Published in: on 2. Februar 2010 at 11:22  Schreibe einen Kommentar  
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Nach der Geldzeit

 

1

 

Ich stell mir vor worauf man dann

gäb es kein geld verzichten kann

 

da hätten erstmal klar die banken

die aktienhorter abzudanken

 

wir brauchten keine steuern klären

nicht börsenfuzzis zu ernähren

 

2

 

kein grenzer würde übrig bleiben

es wär egal was wir wo treiben

 

kein polizist hätt´seine not

mit denen ohne täglich brot

 

nur kleine reste würden alt

bei schlichtung ohne staatsgewalt

 

3

 

kein phrasenfreund im parlament

verdirbt der tage happy end

 

kein betteln kriechen „Hartz“almosen

zernagt´ den „wert“ von „arbeitslosen“.

 

kein wochenwerk gehasster stunden

wär „unternehmerisch“ verschwunden

 

4

 

ob Chrysler Kia BMW

sie tun der erde nicht mehr weh

 

als frage auch im autofalle

bleibt nur was gut wär für uns alle

 

wär das profitinteresse weg

ersparte das viel umweltdreck

 

5

 

was tausend kriege schon vernichtet

wird zwar nie wieder neu errichtet

 

doch wärn sie weg die vielen waffen

die tote krüppel trümmer schaffen

 

weil niemand der sie fabrizierte

noch auf dem erdball existierte

 

6

 

tat früher sehr viel arbeit not

um abzusichern täglich brot

bleibt nicht stupides buckeln klotzen

je mehr vor technik wir nur strotzen

 

wie wenig arbeit könnte reichen

die welt an reichtum anzugleichen

 

das erdengut wir werdens teilen

gemeinsam kreativ verweilen

einander nicht mehr fertigmachen

worüber fremde konten lachen

 

7

 

glaubt ihr dann gäb es nichts zu tun

ein jeder würde geldfrei ruhn?

 

man ränge auf dem erdenrund

dass wer da lebt auch wär gesund

 

dafür dann lohnten sich auch mühen

wer wollt´nicht vor ideen sprühen

 

8

 

wär keiner arm und keiner reich

wär überall ein jeder gleich

 

man malte schriebe musizierte

man spielte lernte phantasierte

gemeinsam mal und mal alleine

man hülfe nachbarn auf die beine…

 

welch leben voller poesie

dahin kommt heut´ nicht fantasie

 

9

 

ich stell mir vor was alles dann

gäb es kein geld sich ändern kann

 

doch bin ich dafür leider zu allein

das muss ein werk von vielen sein

 

wie viel könnt mensch wohl noch erreichen

zerstörte er nicht seinesgleichen

 

 

Published in: on 2. Februar 2010 at 09:31  Schreibe einen Kommentar  
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Sagen wird man über unsre Tage

   

Sagen wird man über unsre tage

den einen wettbewerb

den hatten sie verloren

groß war ihr mund

die kehle ohne frage

jedoch dem mahnen wehrten sie die ohren

 

sie kauten schwer und lange noch an diesem erbe

doch erst durch ihren neuen anbeginn

so ist nun mal das menschliche gewerbe

bekamen Marx und Einstein endlich sinn

Published in: on 27. Januar 2010 at 15:42  Schreibe einen Kommentar  
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Nach uns nicht die sintflut

   

sollte einmal

endlich in frieden
die einsicht grünen
was uns menschen

wirklich nutzt
wird niemand mehr
tauschwertig
als zu leicht befunden

jeder keim bringt

jemandem
die richtige frucht

nutze dich
wird man sagen
dreh dich 

im licht
rundum erblühe und
ernte dich


arbeit ist
kunst wie

kunst
arbeit

fehlender besserer worte wegen und

weil dies ungeborene kind

nach einem namen schreit

nennen manche diese zeit

kommunismus

Published in: on 24. Januar 2010 at 12:30  Schreibe einen Kommentar  
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einladung

   

schenk mir ein kilo hoffnungsduft

und ein pfund vom schrei vor entzücken

zweihundert gramm ichweißnichtmehrwas

und ein ganzes stück nichtmehrdrücken

 

ja am besten das aus der freude geschälte

ohne enttäuschungsknochen

und ohne die sehnen vom alltagsstress

die werden nicht weich beim kochen

 

putz neidlosmöhren stück für stück

puhl langfleißerbsen ganz junge

zig jugendschoten schwimmen im topf

die brennen so heiß auf der zunge

 

nimm mir den ersten teller ab

du kriegst den allergrößten

erst der einhundertfünfundzwanzigste gast

muss sich mit brühe trösten

 

Published in: on 2. Januar 2010 at 12:27  Schreibe einen Kommentar  
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